Impuls zum Sonntag Trinitatis

Dr. Lars Heinemann

Pfarrer Dr. Lars Heinemann

St. Katharinengemeinde Frankfurt am Main

Georg Friedrich Händel, 1685–1759
Sonate F-Dur op. 1, Nr. 11 Larghetto – Allegro
Sebastian Wittiber, Flöte ; Martin Lücker, Orgel
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Neugeburt, Reich Gottes, Geist

Überlegungen zum Sonntag Trinitatis

„Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. (…) Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“

Liebe Besucher*innen der Homepage:

Das sind große Worte. Neugeburt, Reich Gottes, Geist.

Große Worte – und vor allem geheimnisvolle Worte. Es ist gar nicht so ganz klar, was das eigentlich genau sein soll. Und trotzdem packt es einen. Die Worte lösen etwas aus. Man ahnt: hier geht es ans Eingemachte, hier geht es an den Kern unserer Religion.

Die beiden Sätze stammen aus einer Szene, einer Begegnung, die im Johannesevangelium erzählt wird (Kapitel 3, Verse 1-8). Dort sucht Nikodemus, jüdischer Rabbiner und Führungsfigur, Jesus auf und löchert ihn mit Fragen. Sein Interesse ist offensichtlich echt. Es entwickelt sich ein Dialog, in dessen Verlauf Jesus ebenjene geheimnisvollen Größen einspielt: Neugeburt, Reich Gottes, Geist.

Das packt mich. Es fordert mich heraus, mit Blick auf die Welt dieser Tage: Was ist damit gemeint? (Und ja, diese Übersetzungen ins Hier und Heute sind so notwendig wie riskant – wie sehen Sie das, was verstehen Sie unter Neugeburt, Reich Gottes und Geist?)

Das Reich Gottes bewegt mich dort, wo Menschen gewaltfrei für ihre Bürger- und Menschenrechte auf die Straße gehen. Und ich kann es dort nicht sehen, wo rassistische Gewalt Wehrlose tötet oder wo diese Gewalt noch instrumentalisiert und rhetorisch verschärft wird.

Geist spüre ich dort, wo Politikerinnen und Wissenschaftler ihre eigene Fehlbarkeit kommunizieren und mit Blick für die Situation flexibel agieren. Wo Besserwisserei und Verschwörungstheoretisches dagegen die Sinne vernebeln, erlebe ich keinen Geist.

Die Chance zur Neugeburt sehe ich dort, wo unsere Verletzlichkeit in Corona-Zeiten wahr- und ernstgenommen wird. Die eigene Anstrengung und Belastung, die die Situation nach wie vor für jede/n Einzelne/n bedeutet. Ein „Augen zu und durch“-Modus mit dem Wunsch, es möge doch einfach alles wieder wie früher sein, verschließt sich hingegen einem Neubeginn.

Diese Krise verändert uns. Damit Neues – Gutes! – werden kann, braucht es wohl Sensibilität. Für den Anderen. Für sich selbst. Und dafür, wo sich die Situation auf Gott hin öffnet.

Bleiben Sie behütet. Amen

Ihr Pfarrer Dr. Lars Heinemann

Georg Friedrich Händel, 1685–1759
How beautiful are the feet aus: Messiah, HWV 56
Sebastian Wittiber, Flöte ; Nora Friederichs, Sopran; Martin Lücker, Orgel