Singet dem Herrn ein neues Lied! (Psalm 96)

Ein „Gott sei Dank“ gibt es immer – an allen Tagen

 Mit diesem Psalm haben wir an den Weihnachtstagen in den Gottesdiensten gebetet. Mit der Bach-Kantate „Singet dem Herrn ein neues Lied“ haben wir das neue Jahr 2026 und einen neuen Zyklus unserer Bach-Vespern Frankfurt begonnen. Auch an Ostern ist dieser Psalm Bestandteil der Gottesdienste.

Wir werden aufgerufen, zu jubilieren und zu singen! Weil Gott die Schöpfung neu macht! Weil Weihnachten war und wir an den Sonntagen danach auch die Mensch gewordene Liebe Gottes feiern. Jeder Gottesdient ist eine Auferstehungsbotschaft. Gott hat Christus wieder lebendig gemacht. Die ganze Schöpfung jubelt und singt. „Jauchzen sollen alle Bäume im Walde vor dem Herrn; denn er kommt…“. So heißt es im Psalm 96 weiter. Die Natur hält ihr Blühen schon in sich, wir sehen es an den Magnolien, die im Januar schon Knospen treiben und im April ihre Blütenpracht zeigen.

„Singet dem Herrn ein neues Lied“ – dieser Satz klingt wie ein Ruf, der uns mitten ins Herz trifft. Er lädt uns ein, Gott nicht nur mit alten, vertrauten Worten zu loben, wie z.B. mit unseren Chorälen, sondern auch mit neuen Tönen, die aus unserem Leben heute entstehen. Ein neues Lied entsteht nicht, weil das alte schlecht wäre, sondern weil Gott uns immer wieder Neues schenkt: neue Erfahrungen, neue Wege, neue Hoffnungen. Ein neues Jahr hat begonnen: Was wird es uns bringen? Kummer und Leid; tiefe Geborgenheit, Freude und kleine Wunder? Immer wieder Anlass, Gott ein neues Lied zu singen.

Ein neues Lied klingt manchmal in einem kleinen Moment des Friedens auf, wenn wir nach einer anstrengenden Zeit wieder tief durchatmen können. Manchmal entsteht es, wenn ein Konflikt in der Familie sich löst und wir spüren: Versöhnung ist möglich oder wenigstens wieder Kontaktaufnahme. Oder wenn wir nach langer Sorge endlich gute Nachrichten hören – das Herz singt, auch wenn die Lippen schweigen.

Ein neues Lied ist: überhaupt Kontaktaufnahme zu Gott. Sich selbst wieder und wieder als religiösen Menschen zu entdecken und das eigene Leben als Gott verdanktes Leben zu bekennen.

Und es gibt auch das leise Lied, das entsteht, obwohl uns nicht zum Singen zumute ist. Wenn wir Gott unser Unvermögen, vielleicht auch unsere Verzweiflung hinhalten, unsere Traurigkeit, unser Ringen, dann ist auch das ein Lied. Denn ein neues Lied bedeutet nicht immer Jubel – es bedeutet Ehrlichkeit vor Gott. Er hört auch die ungeordneten Töne und Texte, die gebrochenen Melodien und Worte unseres Lebens.

Der Psalmbeter ruft uns dazu auf, dieses neue Lied zu singen, weil Gott Neues schafft und schenkt. Jeder Tag, den wir beginnen, ist wie ein unbeschriebenes Blatt. Vielleicht stellen wir fest: Mein Lied ist heute zaghaft. Oder: Mein Lied ist voller Kraft. Beides darf sein. Denn Gott nimmt sich jedes Liedes an, das aus einem offenen Herzen kommt.

So lasst uns vertrauen: Gott nimmt unsere Töne und Texte und ordnet sie, stärkt sie, verwandelt sie. Und vielleicht merken wir unterwegs, dass aus unseren unsicheren Anfängen ein Lobgesang wächst: weil wir viel mehr haben, als uns bewusst ist. Darum: Singet dem Herrn ein neues Lied – denn er geht mit uns in ein neues Jahr und gibt unserem Leben immer wieder einen neuen Klang.

Es grüßt Sie herzlich
Ihre Pfarrerin Gita  Leber

Evangelisch-lutherische St. Katharinengemeinde