Dein Reich, deine Kraft, deine Herrlichkeit in Ewigkeit.

„Da stand das Mädchen auf“ – gemeint: Die Tochter des Jairus

 Am Ende des Vater unsers sprechen wir: Amen. Damit sagen wir: Das ist der Boden, auf dem wir stehen: Dein Reich, deine Kraft, deine Herrlichkeit in Ewigkeit. Das bleibt, wenn alles schwindet. Das gilt, wie alles, was Gott je gesprochen hat. Das ist die Kraft, mit der wir das bestehen wollen, was uns droht. Was uns droht die Verzweiflung darüber, dass das Leben endlich ist. Das Leben „fliegt, als flögen wir davon.“  So beschwört es Psalm 90. Alles Schöne vergeht.

Mir wird das immer wieder im Spätsommer sehr bewusst. Die Obstbäume tragen in diesem Jahr viel Frucht. Erntezeit. Erntedank und danach bereitet sich die Schöpfung auf den Herbst vor. Auch dieser Sommer vergeht. Immer wenn ein Mensch durch den Tod von uns genommen wird, werden wir an unsere eigene Endlichkeit erinnert. Wir sind erst einmal  wie betäubt. Vor allem, wenn der Tod unerwartet zupackt, wenn er einen gesunden Menschen mitten aus dem Leben reißt oder gar ein kleines Kind trifft, von dem wir meinten, es hat ein ganzes Leben vor sich. Wie die Tochter des Jairus. (Mt 9, 18-26) Wir können nicht begreifen, was geschehen ist. Wir meinen, das kann nicht wahr sein. Es dauert Wochen, Monate, auch noch länger bis uns ganz klar wird: Es ist vorbei, ganz und gar vorbei. Der Mund spricht nicht mehr, die Augen leuchten nicht mehr, die Hand fasst nicht mehr… Alles in uns wehrt sich dagegen, bis unser Widerstand dann doch erlahmt. Der Vater im Evangelium ist noch nicht so weit: Sein Kind ist eben erst gestorben. Er setzt sich gegen den Tod zur Wehr mit seiner ganzen Kraft. Er sucht Hilfe, wo es nach menschlichem Ermessen nichts mehr zu helfen gibt. Er kennt Jesus und wendet sich an ihn in seiner scheinbar unsinnigen Hoffnung. Jesus geht zu dem Mädchen, ergreift seine Hand. Und es steht auf.

Natürlich läuft unser naturwissenschaftlicher Verstand Sturm gegen solche Geschichten. Und beweisen lässt sich hier ganz gewiss nichts. Aber wer sagt denn, dass es um den nach Beweisen fragenden Verstand geht? Es geht um das nach Trost hungernde Herz. Das Herz soll aus diesen Geschichten Hoffnung schöpfen. Hoffnung worauf?

Unsere Hoffnung ist nicht die menschliche immer wieder zagende Hoffnung. Sondern unsere Hoffnung steht auf Jesus Christus. Sein Wort ist stärker als der Tod. Das heißt: Wer auf ihn hört, ihm vertraut und in diesem Vertrauen lebt, der kann seine Angst vor dem Sterben  und seinen Schmerz beim Abschied von einem geliebten Menschen mildern. Womit? Mit dem Glauben, dass Gottes Liebe am Tod keine Grenze findet. Gott hat Jesus Christus auferweckt als den ersten unter den Toten. Er lebt, und wir werden auch leben, obwohl wir sterben.

Viele Male schon stand ich an einem Spätsommermorgen auf einer Streuobstwiese. Im ersten Licht, während die Sonne langsam sich dem Horizont näherte und ihre Farben anfingen, über den Himmel zu ziehen, sagte ich: In Ewigkeit. Amen. Damit drückte ich aus: So ist es. So ist es jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Alles, was um mich her lebt, lebt aus Gottes Kraft, der immer wieder einen neuen Morgen schafft. Ich selbst, die dasteht an diesem Stück Erde, lebe aus Gottes Güte; das aufgehende Licht wird Metapher für das Licht und die Kraft der Auferstehung. Das Licht, das mir aufgeht, ist von Christus. Und das gilt von einem Tag zum anderen, alle Tage und Nächte meines Lebens. Das gilt, das bleibt. Amen.

Ihre Pfarrerin Gita Leber