Weltgebetstag der Frauen

Weltgebetstag 2021 aus Vanuatu:
Worauf bauen wir?

Am Freitag, den 5. März findet am Nachmittag der Weltgebetstagsgottesdienst um  15.30 Uhr in der Katharinenkirche statt.
Ein zweiter Weltgebetstagsgottesdienst findet am Abend um 19.00 Uhr in der Liebfrauenkirche statt.
Dabei gelten die aktuellen Abstands- und Hygienemaßnahmen.
Eine Andacht zum Weltgebetstag gibt es am Samstag, den 6. März um 16 Uhr in der Kirche des Diakonissenhauses/Nellinistift.

Am Freitag, den 5. März 2021, feiern Menschen rund um den Erdball Gottesdienste zum Weltgebetstag.

Wo liegt Vanuatu? Diese Frage können nur wenige Leute beantworten. Zu unbekannt, zu klein ist der Staat im pazifischen Ozean. Aus 83 Inseln besteht er; 67 davon sind bewohnt. Zwei volle Tage ist man von hier per Flugzeug unterwegs. Aber – von Vanuatu aus gesehen – liegt auch Europa am anderen Ende der Welt. Vielleicht hängt auch unsere Unkenntnis damit zusammen, dass die Ni-Vanuatu – so nennen sich die Bewohnerinnen und Bewohner – nur so wenige sind. Mit knapp 300000 Einwohnern leben im Inselstaat etwa so viel Menschen wie in Augsburg, in Frankfurt leben mehr als doppelt so viel Menschen.
Felsenfester Grund für alles Handeln sollten Jesu Worte sein. Dazu wollen die Frauen aus Vanuatu in ihrem Gottesdienst zum Weltgebetstag 2021 ermutigen. „Worauf bauen wir?“, ist das Motto des Weltgebetstags aus Vanuatu, in dessen Mittelpunkt der Bibeltext aus Matthäus 7, 24 bis 27 stehen wird. Denn nur das Haus, das auf festem Grund stehe, würden Stürme nicht einreißen, heißt es in der Bibelstelle bei Matthäus. Dabei gilt es Hören und Handeln in Einklang zu bringen: „Wo wir Gottes Wort hören und danach handeln, wird das Reich Gottes Wirklichkeit. Wo wir uns daran orientieren, haben wir ein festes Fundament – wie der kluge Mensch im biblischen Text. Unser Handeln ist entscheidend“, sagen die Frauen in ihrem Gottesdienst.

Ein Ansatz, der in Vanuatu in Bezug auf den Klimawandel bereits verfolgt wird. Denn die 83 Inseln im pazifischen Ozean sind vom Klimawandel betroffen, wie kein anderes Land, und das, obwohl es keine Industrienation ist und auch sonst kaum CO2 ausstößt. Die steigenden Wassertemperaturen gefährden Fische und Korallen. Durch deren Absterben treffen die Wellen mit voller Wucht auf die Inseln und tragen sie Stück für Stück ab. Stei­gende Temperaturen und veränderte Regenmuster lassen Früchte nicht mehr so wachsen wie früher. Zudem steigt nicht nur der Meeresspiegel, sondern auch die tropischen Wirbel­stürme werden stärker. So zerstörte zum Beispiel 2015 der Zyklon Pam einen Großteil der Inseln, 24 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Wirbelsturm. Der Sturm fegte teilweise mit über 300 km/h über Vanuatu hinweg und gilt als die schwerste Naturkatastrophe Vanuatus in der jüngsten Vergangenheit.
Das Titelbild der Künstlerin Juliette Pita versucht die Eindrücke des Wirbelsturms Pam festzuhalten. Das Bild nennt Juliette Pita „Pam II“. Schützend beugt sich die Mutter über das Kind, um es von Schaden durch den Zyklon zu bewahren. Über Mutter und Kind neigt sich eine Palme. Sie biegt sich im Wind, ohne zu brechen, die starken Wurzeln geben ihr halt. Die Kokosnüsse dienen als Nahrung und aus ihnen wachsen neue Palmen, neues Leben.
Um dem Klimawandel entgegenzuwirken, gilt seit zwei Jahren in Vanuatu ein rigoroses Plastikverbot. Die Nutzung von Einwegplastiktüten, Trinkhalmen und Styropor ist verboten. Wer dagegen verstößt muss mit einer Strafe von bis zu 900 Dollar rechnen.
Keine Frau im Parlament
Doch nicht alles in dem Land ist so vorbildlich. So sitzt im vanuatuischen Parlament keine einzige Frau, obwohl sich 15 im Jahr 2020 zur Wahl stellten. Frauen sollen sich „lediglich“ um das Essen, die Kinder und die Pflege der Seniorinnen und Senioren kümmern. Auf sogenannten Mammas-Märkten ver­kaufen viele Frauen das, was sie erwirtschaften können: Gemüse, Obst, gekochtes Essen und einfache Näharbeiten. So tragen sie einen Großteil zum Familieneinkommen bei. Die Entscheidungen treffen die Männer, denen sich Frauen traditionell unterordnen müssen. Machen Frauen das nicht, drohen ihnen auch Schläge. Das belegt die einzige Studie über Gewalt gegen Frauen in Vanuatu, die 2011 durchgeführt wurde: 60 Prozent der befragten 2.300 Frauen gaben demnach an, dass ihr Mann schon einmal ge­walttätig geworden sei.
Mit seiner Projektarbeit unterstützt der Weltgebetstag Frauen und Mädchen weltweit: Zum Beispiel im pazifischen Raum, auch auf Vanuatu. Dort lernen Frauen sich über Medien eine Stimme zu verschaffen, damit ihre Sichtweisen und Probleme wahrgenommen werden. Oder in Indonesien, wo Frauen neben ökologischem Landbau lernen, welche Rechte sie haben und wie sie um deren Einhaltung kämpfen.
Der Weltgebetstag lädt uns ein, mehr über den pazifischen Inselstaat Vanuatu zu erfahren. Die Ni-Vanuatu erzählen uns von den Sorgen ihres Alltags und wie sie Halt in Gott finden. Gehen wir mit Ihnen der Frage nach: „worauf bauen wir?”

Elke Schmidt