Impuls zum 2. Sonntag nach Epiphanias

Dr. Olaf Lewerenz

Dr. Olaf Lewerenz
Stadtkirchenpfarrer
an St. Katharinen

Johann Sebastian Bach, 1685–1750
„Wie schön leuchtet der Morgenstern“ Choralbearbeitung BWV 739
Prof. Martin Lücker an der Riegerorgel in St. Katharinen

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Zeit, aus Wasser Wein zu machen!

Momentan ist das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit bei uns verboten – nüchtern bleiben, das Gebot der Coronastunde. Große Hochzeitsfeiern, Partys? Abgesagt! Gerade jetzt: wie gerne würde ich wie Jesus bei der Hochzeit zu Kana aus Wasser Wein machen – endlich feiern, unbeschwert.  

Damals wie heute: statt aus Wasser Wein zu machen, gäbe es doch sehr viel Sinnvolleres: Brot für hungrige Kinder, ein Dach über dem Kopf von Flüchtlingen. Ist es an der Zeit für ein Wunder, das Besoffenen auf Hochzeiten Nachschub für ihr Gelage beschafft?

Tatsächlich ist immer wieder versucht worden, dieses ärgerliche Wunder christentauglicher zu machen. Es sei nur symbolisch gemeint, der Wein bezieht sich auf das Abendmahl, die Hochzeit auf Gottes Reich, der Bräutigam sei ein Bild für Christus…

Nein, es geht um eine Hochzeitsfeier, ein großes Fest, bei dem der Wein ausgegangen ist. Und Jesus sorgt dort für den Nachschub an Wein. Der Versuch, Jesu Wunder auch für Gegner von feuchtfröhlichen Festen annehmbar zu machen, der muss scheitern – und zu recht!

Johannes stellt dieses Wunder bewusst an den Anfang seines Evangeliums, auch wenn es mittelalterlichen Asketen und nüchternen Protestanten eher nicht schmecken dürfte. Johannes verdeutlicht damit gleich am Anfang der Wirksamkeit Jesu, dass dieser im Gegensatz zu Johannes dem Täufer kein Asket ist, sondern ein „Fresser und Weinsäufer“, wie Matthäus in seinem Evangelium schreibt.

Jesus als der Lebensbejahende, als der Gesellige, als der, der das Leben zum Fest macht. Solch ein Wunder bräuchten wir auch heute dringend!

Die Karnevalszeit mit Rausch und Fröhlichkeit fällt dieses Jahr ja eher aus, so muss uns das Wunder auf der Hochzeit zu Kana die Erinnerung an ein Leben in Fülle und Gemeinschaft wachhalten. Jesus will aus unserem Leben ein Fest machen, ein Fest der Sinne, aber auch ein Fest der Gerechtigkeit, auch heute, auch im Jahr 1 nach Corona. Darauf ein Glas Wein… oder auch zwei!

Ihr Olaf Lewerenz

Johann Sebastian Bach, 1685–1750
„In dir ist Freude“ Choralbearbeitung BWV 615
Prof. Martin Lücker an der Riegerorgel in St. Katharinen

Evangelisch-lutherische St. Katharinengemeinde