Impuls zum 9. Sonntag nach Trinitatis

Dr. Olaf Lewerenz

Dr. Olaf Lewerenz

Stadtkirchenpfarrer
an St. Katharinen

Josef Rheinberger, 1839–1901
Suite op. 166 für Violinenchor und Orgel
3. Satz
Susanne Stoodt und ihre Violinklasse
Martin Lücker, Orgel
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Auf diese Steine können Sie bauen…

Als Kind auf Sylt war ich gruselig fasziniert von Häusern, die auf Klippen standen und entweder schon halb abgebrochen waren oder direkt am Abgrund standen. Sturmfluten und sandiger Boden hatten das ihre getan, lange würde es nicht mehr dauern…

Mittlerweile reicht es, in der Eifel zu wohnen und von einem der tropischen Regenfälle heimgesucht zu werden, dass einem das Haus einstürzt, so am 14. Juli diesen Jahres. Klimawandel live. Hoffentlich ruht das Fundament Ihres Hauses nicht in einem Bachbett oder auf Sand! Das empfahl auch Jesus bereits in der Bergpredigt (Matthäus 7):

24»Wer diese Worte von mir hört und sie befolgt, ist wie ein kluger Mann: Er baute sein Haus auf felsigem Boden.25Dann kam ein Wolkenbruch. Die Flüsse traten über die Ufer, die Stürme tobten und rüttelten an dem Haus. Doch es stürzte nicht ein, denn es war auf felsigem Untergrund gebaut.26Wer diese Worte von mir hört und sie nicht befolgt, ist wie ein dummer Mann: Er baute sein Haus auf sandigem Boden.27Dann kam ein Wolkenbruch. Die Flüsse traten über die Ufer, die Stürme tobten und prallten gegen das Haus. Da stürzte es ein und fiel völlig in sich zusammen.

Soweit Jesu Ratschlag für alle Häuslebauer. Wie hieß es doch in meiner Jugend: auf diese Steine können Sie bauen! Aber eben nicht auf diesen Sand – doch dieser Spruch gilt nur noch bedingt, wenn unsere Natur aus den Fugen gerät.

Bleiben wir beim Sand, der ins Rutschen kommen kann: unser Leben, mit einem Mal kommt alles ins Wanken. Ich habe auf die falsche Karte gesetzt, mein Leben stürzt wie ein Kartenhaus zusammen: Geld, Beziehung, Arbeit, alles weg. Das Geld für die Rente falsch angelegt, es reißt mir den Boden unter den Füßen weg. Die Partnerin, der Partner: plötzlich weg – gegangen oder gestorben. Mit einem Mal die Krankheit, die alles zerstört. Wo ist der Fels in der Brandung?

Georg Neumark dichtete im 30 Jährigen Krieg: „Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn alle Zeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit, wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.“ Wenn Gott der Fels meines Lebens ist, dann habe ich auf keinen Sand gebaut – und wenn ich durch kriegerische Horden all mein Hab und Gut verloren habe. Sein Leben auf festen Grund bauen ist für Georg Neumark, auf Gott zu vertrauen.

Den Hinweis, zu schauen, was unser Fundament im Leben ist, die gilt unabhängig von Zeit und Ort. In den letzten anderthalb Jahren ist bei uns so manche Gewissheit, so manches Fundament ins Wanken gekommen. Wir mussten neu lernen, unser Leben nach Prioritäten zu sortieren.

Mit Gottvertrauen kann ich schwere Sorgen und Leid besser überstehen. Gott weiß, was uns fehlt, so Georg Neumark. Gott kann uns reich und arm machen, aber er wird zu uns halten. Gottvertrauen ist noch wichtiger als ein guter Statiker beim Häuserbau. Im 30 jährigen Krieg haben das die Menschen erlebt. Ich hoffe, ich werde das in Krisensituationen so auch erfahren können.

In der Schlussstrophe heißt es: „Sing, bet und geh auf Gottes wegen, verricht das deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.“ Ich soll das Meine getrost tun und dann auf Gottes Segen vertrauen, dass es gelingt. Diese Zuversicht kann mich durch mein Leben leiten. Nicht ich muss alles tun, ich soll aber auch nicht die Hände in den Schoss legen. Vertrauen in Gott – auf diesen Stein kann ich bauen!

Ihnen viel Zuversicht für Ihr Leben!

Josef Rheinberger, 1839–1901
Suite op. 166 für Violinenchor und Orgel
4. Satz
Susanne Stoodt und ihre Violinklasse
Martin Lücker, Orgel