Impuls zum Pfingstfest

Stadtkirchenpfarrer
Dr. Olaf Lewerenz
St. Katharinengemeinde
Frankfurt am Main

Pfingsten – frischer Wind unter die Atemschutzmasken

An Pfingsten ging den Anhänger*innen Jesu ein Licht auf: sie verstanden, dass Jesus nicht weg im Himmel war, sondern mit ihnen verbunden blieb durch einen gemeinsamen Glauben, eine gemeinsame Gesinnung, eine gemeinsame Hoffnung. Dieser Heilige Geist schaffte es, dass sie sich untereinander und mit Gott verbunden fühlten und Mut fanden, von Gottes Liebe zu uns Menschen zu erzählen und diese Liebe auch zu leben.

»Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.“ So der Prophet Joel, den der Apostel Petrus in seiner Pfingstpredigt zitiert.

Wir, wir sollen weissagen, wir sollen Träume haben! Träume, wie unsere Welt aussehen könnte – ohne Leid, ohne Ungerechtigkeit, ohne Angst – und ohne Atemschutzmasken.

Momentan weht bei uns nicht der frische Geist der Liebe Gottes, momentan weht der Geist der Ängstlichkeit. Es ist eher der Hauch des schlechten Atems unter der Maske als der Wind der Hoffnung. Natürlich, wir müssen Abstand halten auch da, wo wir lieber umarmen würden. Aber das muss die Träume und die Hoffnung auf Gottes Gegenwart nicht ersticken.

Unser Leben und unsere politischen Entscheidungen sind nicht alternativlos. So wie Gott sich in Jesus für alle Menschen, alle Geschlechter, alle Völker geöffnet hat, so brauchen wir uns nicht mit dem Klein-klein unseres Lebens, mit dem peniblen Befolgen von Regeln abzufinden, sondern sind ermutigt weiterzuschauen und weiter zu brennen für eine Welt, in der Gerechtigkeit und Friede sich küssen.

Gottes Geist weht wo er will, doch hoffentlich auch in unseren Herzen und Hirnen! Er weht, damit wir mutig werden. Mutig angesichts von Einschränkungen und Angst, mutig angesichts großer Herausforderungen für unser Leben und für unser Gemeinwesen. Wir brauchen keine Angst zu haben, von unserer Hoffnung für die Welt zu erzählen. Gott hat die Welt und uns in seiner Hand. Er kann unseren Blick schärfen für Liebe und für ein neues Miteinander, das offen ist für Menschen aus aller Welt, egal, ob die Flugzeuge momentan fliegen oder nicht, egal, ob wir Masken tragen müssen und uns nur im Internet begegnen.

Pfingsten, das ist ein frischer Wind unter unsere Atemschutzmasken, um Mut zu schöpfen, Gottes Verheißungen zu trauen und sie zu auch leben, jeden Tag neu, Amen.

Lassen Sie sich von Gottes Geist begeistern,

Ihr Pfarrer Dr. Olaf Lewerenz

Die Predigt zum 1. Pfingsttag finden Sie ab 31.05.20 hier.